
“Früher dachte ich immer, irgendwann müssen sämtliche Melodien doch gespielt worden sein. Doch die Töne fanden und finden noch immer zu neuen Variationen. Dann liefen mir die Worte über den Weg, gaben meinen Gedanken Boden. Doch irgendwann wiederholten sich manche Überlegungen und Wortkombinationen. Dann dachte ich, die Worte, die sind irgendwann leer. Ich schwieg ausdruckslos und fand in der Stille zu neuen Varianten. Und so können Melodien zu Geschichten werden, Worte zu Musik. Und der beste Songwriter eines ganz großen Liebeslieds an die persönliche Entfaltung steckt in der eigenen Kreativität. Die unendliche Endlichkeit gibt genug Zeit die eigene Melodie und eigenen Text zu finden. It’s your song of life.” ♥
Ich glaube wir wissen alle gar nicht so genau wo wir hin gehen. Wir nehmen die erste Kreuzung, statt der zweiten, überfahren rote Ampeln, oder werden von fremden Menschen aufgehalten. Glücklich sind die, die wissen, wohin sie wollen. In die nächste Querstrasse, ins nächste Dorf, oder doch in ein anderes Land? Aber vielleicht gehst du in die falsche Richtung. Vielleicht triffst du den falschen Menschen. Vielleicht verpasst du den richtigen Zeitpunkt und dein Glück um Millisekunden. Vielleicht verlierst du dich dort draußen. Vielleicht verlierst du dich auch in dir. Vielleicht verlierst du. Aber du kannst immer noch ankommen. Du kannst immer noch fremde Länder besuchen, oder doch nur deinen Nachbarn. Du kannst rote Ampel überfahren und Bekanntschaften machen. Du kannst in den falschen Zug steigen und dort ankommen, wo du immer hin wolltest. Vielleicht sogar ohne es gewusst zu haben. Trotz allem wirst du ankommen. Vielleicht nicht dort, wo du hin willst. Aber dort wo du hin gehörst. Du wirst ankommen. Morgen, in drei Monaten oder 2 Jahren, du wirst ankommen und du wirst finden was du suchst.
Die Kreise werden kleiner. Sie waren groß, einst, so groß, dass man sich darin verlor. Eine riesige Fläche. Stand man am Rand, konnte man die gegenüberliegende Seite nicht sehen. Nur die riesige Fläche. Und sich selbst, wie man in den Weiten versickerte. Man trat hinaus aus dem Kreis. Man trat wieder hinein. Der Kreis war kleiner geworden, übersichtlicher. Die Zeit hatte den Rest mitgenommen. Man verlor sich noch immer, im kleiner gewordenen Kreis, aber weniger häufig, weniger heftig. Man sah nicht weiter, aber das Naheliegende klarer. Wenn Kreise kleiner werden, wirkt man größer. Und sie tun es, die Kreise, sie werden kleiner, immer kleiner. Manchmal macht das traurig. Manchmal macht das Angst. Und manchmal macht das die Dinge breiter, größer. Was noch da ist, hat im schrumpfenden Kreis mehr Wert, mehr Gewicht. Die Kreise werden kleiner. Und die Kreise werden dichter. Bis man sich fast gar nicht mehr verliert.
Wir wollen leben, mit unserem ganzen Körper, unserer ganzen Seele, mit ganzem Herzen. Wir streben nach dem erfüllten Leben und merken dabei nicht, dass wir es schon längst haben.
Jeder Blick quellt vor Leben fast über. Jeder noch so kleine Seitenblick ist ein Beweis für das Leben. Selbst der Hasserfüllteste, der uns mit seiner Macht zu Boden drückt. Alle geschrienen Wörter,die die Luft mit Messern zerschneiden und auch die geflüsterten, die der Wind sanft zu uns trägt. Die Wörter, die schwer von ihrer Bedeutung, man sich kaum auszusprechen wagt. Wörter, die man ohne Bedenken aneinander reiht und die doch dem anderen so viel bedeuten können. Und die Unausgesprochenen, die manchmal tiefe Schluchten zwischen uns aufreißen und genauso eine Brücke bauen können, über die wir den anderen erreichen können. Unsere Gesten, die, die von Herzen kommen, die, die von tiefstem Hass gelenkt werden, die, die vor Trauer so zerbrechlich sind, dass sie des Öfteren in tausend Stücke zerspringen. Und auch die, die wir nicht bewusst ausführen, wo doch so viel Leben an ihnen hängt. Die Träume, die wir in unseren Herzen tragen und uns nur dann vor Augen führen, wenn wir denken, das niemand es bemerkt. Die Träume die wir nicht nur träumen, sondern auch verwirklicht haben. Schritte die wir gehen und die uns dorthin tragen, wo wir sein wollen. Und auch diese, die wir eigentlich nicht gehen wollen und es doch müssen, weil wir keinen anderen Weg wissen und nicht einfach umdrehen können und es uns auch nicht trauen, weil wir solche Angst haben, das Falsche zu tun. Jeder Windhauch, der leise unsere Nasenspitzen umweht, jeder Sonnenstrahl, der uns mit seiner Wärme verwöhnt, jeder Regentropfen, der auf unsere Handfläche fällt. Es liegt soviel erfüllendes in all den schier endlos erscheinenden Gegensätzlichkeiten unseres Lebens. - Alles ist mit Leben getränkt. Von jedem einzelnen und auf seine ganz persönliche und eigene Art. Alles ist randvoll mit Leben. - Unserem Leben.
Wir tanzen alle gemeinsam und sind Teil des Ganzen. Wenn wir bereit sind uns vom Leben überraschen zu lassen, lernen wir die Schritte, die uns schweben lassen.
Jeden Tag wird uns etwas geschenkt, jeden neuen Morgen legt das Leben seinen Schatz in unsere Hände und bittet uns gut darauf Acht zu geben. Oftmals merken wir nicht, wie kostbar die Fracht ist, die wir mit uns tragen. Wir vergessen die Schönheit der Dinge, wenn wir fallen. Wenn uns das Schicksal auf Proben stellt und an Grenzen stossen lässt. Wir vergraben unsere Köpfe im schwersten Kissen, das greifbar ist und lassen den grauen Himmel über uns regieren. Der Regen fällt und jeder Tropfen auf den Kopf. Jeder Blitzschlag trifft ins Herz und wir schwimmen im Strom, schwimmen mit unserem Schmerz. Es ist wichtig, dass wir dann den Tränen den Zufluss zum Wasser ermöglichen, um unsere Seele leichter zu machen. Sie braucht diese Streicheleinheit von Zeit zu Zeit. Auch wenn wir als Könige unseres Leids nicht bemerken, wie wohltuend diese kleine Geste sein kann. Uns selbst gut tun. Sich ein Lächeln schenken. Uns schätzen. Sich selbst erfreuen, an dem was man ist. Und vor allem, was man hat. Gerade dann, wenn man auf sich auf der Ersatzbank befindet. Die Verliererseite kann nicht gewinnen, wenn wir dem Sonnenaufgang folgen. Zieht eure Kreise auf dem Eis und schießt Herzen in den Himmel. Solange ihr euch nicht dem Stillstand unterwerft, wird die Welt euch gehören. Sucht den Schlüssel und öffnet neue Türen, findet Liebe, macht Liebe und seid Liebe.
Heimat findet man nicht nur an geografisch festgelegten Orten. Heimat verbindet sich mit Vertrautheit. Solche Orte der Vertrautheit sind dort, wo ich zu Hause sein kann. Und das ist dort, wo Freunde sind. Wo Freundschaft gelebt und erfahren wird, entsteht Heimat. Echte Freundschaft zeichnet sich durch innere Verbundenheit, aber auch durch innere Freiheit aus. Beides sind nur verschiedene Seiten des gegenseitigen Vertrauens: Unter Freunden darf ich sagen, was ich fühle, ohne alles berechnen zu müssen. Hier bin ich frei, den Weg zu gehen, den ich als richtig anerkannt habe. Ich brauche keine falsche Rücksicht auf den Freund nehmen. Ich kann in diesem Umfeld frei atmen. Und ich lasse auch dem Freund den Freiraum, den er für sein Leben braucht. Der Freund hört genau hin, was mich im Innersten bewegt. Er hört sich in mich hinein, um zu entdecken, was die Grundmelodie meines Lebens ist, er nimmt wahr, wo und wie mein Leben zum Schwingen und Tönen kommt. Er spiegelt mich und erinnert mich an das, was ich im Tiefsten bin. Seine Aufgabe ist also mehr, als mich nur zu verstehen und mehr als nur bei mir zu stehen. Er nimmt vielmehr die Melodie meines Herzens in sich hinein, um sie dann wieder neu zum Klingen zu bringen, wenn sie in mir verstummt ist.
Glück, ach Glück. Dieses flüchtige kleine und doch so große Gefühl. Auch, wenn es uns eigentlich grad wirklich gut geht, steht da allzu oft ein ‘aber’ am Satzende und wartet. Es fehlt (vermeintlich) irgendwo ein kleines Stückchen, damit alles passt. Perfekt ist. Der Moment ist gut, jedoch nicht vollkommen. Warten, grübeln. Die eine Sache in den Vordergrund stehen, die einen winzigen Fehler im Bild darstellt, obwohl das gar nicht so wichtig ist. Oder sein sollte. Könnte.
Und auf der Suche nach dem großen ALLES verlieren wir mitunter den Blick für das gar nicht so kleine, sondern auch schon sehr bedeutsame fast alles. Hier ein Zwicken, da nervt etwas. Und mir selbst geht es ja genauso. Dennoch: Die beste Zeit ist jetzt. Um uns selbst wach zu rütteln. Um zu lächeln und zu begreifen, dass es los geht, das die Zeit ist, in der alles möglich ist. Oder zumindest sein könnte. In der wir uns zu dem machen, der oder die wir sein wollen. Um unseren Weg nicht nur zu planen, sondern auch zu gehen.
Die Zeit, um das zu machen, was wir machen wollen. Vielleicht nicht ausschließlich, sehr sicher sogar nicht. Aber um vieles zu machen von dem, was wir wollen. Es zu versuchen, zu verwerfen, das eigene Glück zu bauen und es als solches zu erkennen, wie auch immer es aussieht. Um unsere eigenen Erwartungen zu erfüllen, nicht nur die der anderen. Um endlich anzufangen, Dinge zu ändern. Um nachts auf der Straße zu tanzen und zu Somewhere only we know an dich zu denken, auch wenn der Text überhaupt nicht passt. Um Melodien Menschen zuzuordnen und den Rhythmus ihrer Gedanken zu erahnen. Um Tagträumen nachzuhängen und wache Schritte zu gehen, um sie wahr werden zu lassen. Mal ein Stückchen, mal ein bisschen, in den besten Fällen ganz.
Um zu reisen, weil wir frei sind. Um Zynismus abzuschalten und das Herz aufzumachen für all die tollen Eindrücke, die da draußen warten. Auch, wenn’s vor dem eigenen Fenster möglicherweise grad noch ein bisschen Nieselregen vor der Sonne gibt.
Weil wir es können. Weil wir da sind, wo wir gerade sind. Weil es immer weiter geht. Und weil genau das unsere Zeit ist und wir sie nutzen sollten. Auch, wenn nicht immer jedes Element perfekt ist. Gar nicht sein kann. Aber weil oft einfach schon viel stimmt. Mehr, als uns manchmal bewusst ist.
In manchen Stunden und an manchen Tagen lebe ich nur von der Erinnerung. Und am meisten nähre ich mich davon retrospektivisch an Sonntagen. Sie liegen alle herum, auf einem großen Haufen im Kopf. Dabei stolpere ich immer wieder über fast Vergessenes. Über einen Logarithmus, zum Beispiel. Ein total unbrauchbares Ding. Oder der Urlaub in Frankreich. Ziemlich sonnig und viel zu warm. Und man findet noch tiefe Täler und hohe Berge. Viel Sonnenschein, aber dann und wann auch Regen. Tränennasse Erinnerungen hänge ich zum sorgfältigen trocknen auf. Dann sind sie leicht. Federleicht. Dann wirbeln sie alle in meinem Kopf herum und bringen mich zum Lächeln, geben die Energie des Gegensatzes und Kraft für das was noch kommt. - So bist Du, Sonntag.